Tschechien-Austausch 2016


 

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Bericht:

Aus Nachbarn werden Freunde


Schüler der 8. Klassen des Gymnasiums Landau a.d. Isar zum Austausch am Gymnázium Aloise Jiráska in Litomyšl in der Tschechischen Republik

 

Das Gymnasium Landau a.d. Isar ist bekannt dafür, dass es ein breites Angebot an Schüleraustauschprogrammen hat, sogar im fernen Indien oder Australien. Seit dem Schuljahr 2016/2017 aber gibt es eine neue Möglichkeit, abseits des Klassenzimmers andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Bei unserem nächsten Nachbarn, der Tschechischen Republik, gibt es nun wieder eine Partnerschule für unser Gymnasium, das Gymnázium Aloise Jiráska in Litomyšl (Ostböhmen). Unter der Leitung von StRin Sarah Dwyer und StR Peter Polierer, der den Kontakt geknüpft hatte, fand vom 19.-25. September 2016 der erste Besuch in der Kulturstadt im Bezirk Pardubice statt.

 

So kam es also, dass sich nach den Sommerferien insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler  der 8. Klassen auf das Abenteuer Tschechische Republik einließen. Bereits vor dem Sommer wurde der erste Kontakt mit den Gastschülern aufgenommen und die modernen Medien wurden rege zum Kennenlernen genutzt. Sprachliche Schwierigkeiten gab es nicht, da die tschechischen Schüler eine hervorragende Ausbildung in Deutsch und Englisch genießen und die bayerischen Schüler, wenn auch nicht des Tschechischen mächtig, aber doch mit den von „Tandem“ zur Verfügung gestellten Sprachführern ausgestattet wurden.

 

Von Seiten des Gymnázium Aloise Jiráska wurde ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, welches sowohl schulische als auch touristische Aspekte beinhaltete. Litomyšl, die Geburtsstadt des berühmten tschechischen Komponisten Bedrich Smetana, ist mit ca. 10.000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner als Landau a. d. Isar, aber eine Kommune, welche über ein großes kulturelles und historisches Renommee verfügt. Dem dortigen Renaissanceschloss wurde der Status eines UNESCO Weltkulturerbes verliehen und an allen Ecken und Enden der Stadt befinden sich traditionelle und moderne Kunstwerke. Gleich am  ersten Tag wurden die bayerischen Jugendlichen nach Ankunft und Empfang durch die Schulleitung von ihren Gastschülern durch die Stadt geführt und umfangreich in die Geschichte Litomyšls eingeführt. Dass es beim europäischen Gedanken nicht nur um deutsch-tschechische Belange geht und man gern über den Tellerrand hinausschaut, das wurde dann am Nachmittag beim gemeinsamen Spielen des französischen Pétanque erprobt.

 

Aber auch am Unterricht nahmen die Schüler gemeinsam teil. So konnten in der Deutschstunde die Sprachkenntnisse an Muttersprachlern erprobt werden, auch wenn man sich erst an ein Deutsch gewöhnen musste, welches sich in Wahrheit als Niederbayerisch entpuppte. Ob nun in Physik, Englisch, Musik oder Chemie, die Jugendlichen lernten ein anderes Schulsystem und andere Unterrichtsformen  kennen, auch die begleitenden  Lehrkräfte ließen sich gerne inspirieren. Ganz ohne Sprachunterricht in Tschechisch wurden die wichtigen Phrasen und Wörter von den neuen Freunden schnell aufgeschnappt, das gemeinsame Singen von böhmischen Liedern war hierbei natürlich sehr zielführend.

 

Die wundervolle Landschaft im Grenzgebiet zwischen Böhmen und Mähren wurde natürlich auch erkundet. Voller Staunen bewunderten die Schüler die geologischen Formationen im Mährischen Karst; die weitläufigen Tropfsteinhöhlen und ein unteririsch verlaufender Fluss gehörten bei diesem Ausflug zu den Höhepunkten. Nicht wenige der Jugendlichen waren froh über die heimischen Familien, nachdem sie die Legende vermittelt bekommen hatten, woher die sagenumwobene Stiefmutterschlucht (tschechisch „Macocha“) ihren Namen hat. Laut Legende versuchte eine Stiefmutter den kleinen Sohn ihres Ehemannes in der fast 140 Meter tiefen Schlucht zu töten, dieser überlebte aber und die Dorfbewohner lynchten sie dort dann selbst.

 

Was die Bayern mit ihren böhmischen Nachbarn tief verbindet, ist die Liebe zum herzhaften und reichlichen Essen. So verwundert es nicht, dass am Tag vor der Abreise die Schüler zusammen in der Schulküche ein mehrgängiges Mittagsessen zubereiteten. Mit zweisprachigen Rezepten wurden Spezialitäten zubereitet, die die bayerischen Teilnehmer eigentlich kannten, deren kleinen Unterschiede sie aber doch zu schätzen lernten. So sind dort die Kartoffelknödel lang und werden in Scheiben geschnitten, das Kraut mit Einbrenne zubereitet, der Schweinsbraten ohne Soße serviert, aber zumindest die Zwetschgenknödel waren genauso, wie sie viele  Schüler von der Oma zu Hause kannten. Gut gesättigt und zufrieden wurde am Nachmittag noch ausgiebig Abschied gefeiert. In der Aula des Gymnasiums ließ man die letzten Tagen Revue passieren, gemeinsam wurde gesungen, gespielt und getanzt. Dies alles wurde liebevoll von Schülern der Oberstufe organisiert, die auch einen gelungenen Film und Fotostrecken über den Aufenthalt präsentierten.

 

Frühmorgens startete der Bus dann wieder Richtung Landau, zu wirklich unchristlicher Zeit, damit die Besuchergruppe noch den Tag bei wundervollem Wetter in der Hauptstadt Prag verbringen konnten. Unter fachmännischer Leitung traten die 15 Jugendlichen die Besichtigungstour von der Burg mit Veitsdom hinunter zur Kleinseite an. Auf der Karlsbrücke wurde es auch nicht versäumt, den Heiligen Nepomuk zu besuchen und anschließend flanierten wir durch die Altstadt bis hin zum Pulverturm und Wenzelsplatz. Auf diesem Weg wurden viele Besonderheiten der pulsierenden Metropole erkundet, auch der Einkauf von Souvenirs für die Daheimgebliebenen wurde hierbei erledigt.

 

Bei der Abfahrt aus Prag war durchaus Wehmut zu verspüren, dass das Abenteuer schon zu Ende ging. Mit vielen Eindrücken im Gepäck fiel es manchem nicht leicht, wieder in den gewohnten Schulablauf zurückzukehren, aber von den Erinnerungen, den neuen liebgewonnen Freunden und sechs wundervollen Tagen werden die Landauer Schüler noch lange zehren. Die Vorfreude indes ist schon riesig, denn im Sommer 2017 erfolgt der Gegenbesuch, bei dem sich Niederbayern, Landau und das Gymnasium sicherlich von der allerbesten Seite präsentieren werden.