Schüleraustausch mit Heyrieux, Frankreich

Vielfältig – so kann man die Eindrücke beschreiben, welche die Erfahrungen rund um einen Schüleraustausch mit Frankreich mit sich bringen:

Mühsam ist zunächst stets das Unterfangen, einen motivierten Partner in einem Land zu finden, in dem Fremdsprachen im Lehrplan immer mehr an Bedeutung und damit an Schülerzahlen verlieren, schon gar wenn es sich um das vermeintlich schwierige Erlernen der deutschen Sprache handelt. Große Erleichterung und Freude verbreitete sich aber dann an unserer Schule, als im Herbst 2016 klar wurde, dass nach dem Ausfall eines Programms für die 9. Klassen im Vorjahr wieder ein Austausch stattfinden konnte. Mit dem Collège Jacques Prévert in Heyrieux (nähe Lyon) hatten wir eine geeignete Schule gefunden, die mit 27 SchülerInnen gerne nach Deutschland reisen wollte.
Spannend war wieder einmal der Abend, an dem wir geduldig den Bus aus Frankreich vor dem Gymnasium erwarten und unsere Gäste begrüßen durften. Aufgeregte Jugendliche auf beiden Seiten fanden sich zusammen und brachen gemeinsam in die deutschen Gastfamilien auf, wo sie das Wochenende erstmal zum Kennenlernen nutzen durften.
Nach den ersten gemeinsamen Tagen konnte man erneut übersprudelnde Gemüter beim Austausch der Erfahrungen beobachten: deutsche Schüler nahmen schmunzelnd zur Kenntnis, wie deutlich doch der Unterschied bei den sehr „rudimentären" Deutschkenntnissen ihrer Partner im Vergleich zu ihrer eigenen Französischkompetenz war, Franzosen bemerkten erstaunt, wie überreich das Essensangebot in ihren deutschen Gastfamilien ausfiel.
Furchtlos traten die jungen Franzosen unserem Stadtoberhaupt Herrn Steininger gegenüber, und formulierten so gut es eben ging im Sitzungssaal allerlei dringliche Fragen, wie etwa warum dem Bürgermeister das neu gelernte Getränk „Spezi" weniger gut schmeckte als bayerisches Bier oder weshalb ganz Bayern voller Solarmodule zu sein scheint. Auch so mancher Landauer konnte sich während der Stadtrallye durchaus von der unbekümmerten Art der frz. Kinder überzeugen, als etwa in einer Apotheke schließlich das Geheimnis um das „Ganackersberger Mandl" auf ihrem Fragebogen gelüftet werden konnte.
Die Austauschpaare genossen sicherlich den gemeinsamen Ausflug nach Passau, wo sich die große Gruppe auf der Schifffahrt und dem Spaziergang durch die Stadt befreit von den üblichen Unterrichtspflichten sehr entspannt gab. Als durchaus hartgesotten erwiesen sich unsere teilweise noch sehr jungen Gäste beim beinahe winterlichen Ausflug nach St. Englmar, sie trotzten den Temperaturen auf dem Waldwipfelweg und vergnügten sich fast noch kindlich bei den Experimenten im X-Perium.
Umso schmerzvoller traf viele der frühe Abschied vor dem frz. Bus, nach dem unvermeidbaren Vergießen kleiner Tränchen war es ein Trost, die Franzosen bald schon beim Rückbesuch im Juni in Frankreich wiedersehen zu dürfen.
Alles in allem gilt es wie immer festzuhalten, dass der Einsatz auf allen Seiten eines Austausches durchaus anstrengend ist: für die Eltern, die ein durchaus beachtliches Maß an Vertrauensvorschuss, ein fremdes Kind zu empfangen und mehr noch, ihr eigenes in eine gänzlich unbekannte Familie im Ausland zu schicken, sowie viele Kosten und Mühen aufbringen müssen, damit ein solches Programm funktioniert; bei den Schülern, die trotz der erhöhten Anforderungen einer Austauschwoche auch ihr übliches Pensum im Unterricht stemmen sollen; und bei den Lehrkräften, die weit über das normale Maß hinaus Einsatz und Engagement zeigen, um einen zumindest weitestgehend reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. 
Am Ende bleibt erneut ein gewisser Stolz bei Lehrern und Schülern, dass die gemeinsame Arbeit über die Jahre real und erfolgreich anwendbar ist, sowie die Erkenntnis, dass das Erleben einer anderen Kultur und Sprache weit gewinnbringender ist als die eine oder andere noch so gut konzipierte Unterrichtsstunde.