Was soll es denn heute geben? - Eine Aufführung der Oberstufentheatergruppe im März 2016

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Grundlage für das diesjährige Stück der Oberstufentheatergruppe unter der Leitung von Wolfgang Plab war „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Die Romanvorlage jedoch wurde eigenständig von der Gruppe neu ausgearbeitet und umgestülpt. Gestalt nahm das Werk in den Theatertagen an, die jedes Jahr im Jugendtagungshaus in Haunersdorf stattfinden. In diesen intensiven Tagen wuchs die Gruppe nach dem monatelangen Grundlagentraining noch mehr zusammen. Vor allem in kreativer Hinsicht wurde viel geleistet. Das lag aber auch an den zwei Ps für die Seele – Pizza und Pasta. Eine leckere Tradition, genau das Richtige für notleidende Schüler, die sich zugegebenermaßen einen recht harten Stoff ausgesucht hatten.

 

Der Protagonist, Alex, sollte in der Aufführung in der Gestalt von Sita Hampp, Emilie Art, Leopold Beham und David Klein sozusagen vierfach auftreten, was ihn wuchtiger und in seinen Aktionen unberechenbarer erscheinen ließ. Zusammen mit seinen Droogs macht er die Straßen unsicher und sorgt mit seinen Gewaltorgien für Angst und Schrecken in der Stadt. Bei seinen Streifzügen ist er auf der Suche nach dem Kick, hier eine Milch (mit Messern drin), dort ein paar kleine Mädchen erschrecken. Und wenn er dabei „zufällig“ einem Menschenleben ein Ende setzt, ist das für ihn etwas ganz Normales. Eines Tages wird er schließlich von der Polizei gefasst und wird im Gefängnis nach einem Tänzchen mit den Wärtern und durch die Hilfe eines besonders frommen Gefängniskaplans freiwillig zum Versuchskaninchen eines wissenschaftlichen Experiments. Die Herren Doktoren versuchen durch die Ludovico-Methode die Verhaltensmuster von Menschen zu ändern. In Alex‘ Fall treiben sie ihm die Lust an der Gewalt durch augenscheinlich harmlose, aber im Endeffekt drastische Methoden aus. Der Erfolg stellt sich unmittelbar ein, Alex ist ein anderer, seine Milch schmeckt ihm nicht mehr, die Musik verursacht ihm nun körperliche Qualen. Besonders hier, aber auch an anderen Stellen wirken die von der Gruppe bevorzugt eingesetzten theatralen Mittel – das Requisit Milch und die Musik (als empathisch wirkende Hintergrundmusik oder live auf dem E-Piano gespielt). Doch zum Schluss ist er wieder genau der Alex, der er vor dem Experiment auch war. Ausgelöst wird dies durch die Frage, die sich durch sein Leben zieht: „Was soll es denn heute geben?“ Ein einfacher Satz lässt also das hochkomplizierte Experiment scheitern. Dies beweist, dass man – so sehen es jedenfalls die Mitglieder der Theatergruppe – das Verhalten von Menschen nicht ändern kann, solange es von der jeweiligen Person selbst nicht gewollt ist.

 

All dies klingt nach harter Arbeit, physisch und vor allem psychisch. Die Schüler waren in der Auseinandersetzung mit der Thematik durchaus gefordert, das soll Schultheater ja auch. Aber es wurde darüber hinaus auch viel gelacht. Nur über Spaß, die Lust am Ausprobieren und das Bewusstsein, dass Alex eine Rolle ist, die es so in Wirklichkeit nicht gibt, kommt man im Schultheater zu einem stimmigen Ergebnis. Und so war es dann auch, wenn man dem Applaus der zahlreichen Zuschauer glauben darf.

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